Hier ist Pia-Sophies Blickwinkel auf ihre eigene Generation

und ein offener Brief an deren Eltern.

Pia Kamera

Liebe Eltern,

hier sprechen eure pubertierenden Kinder. Die Monster, die euch nachts Alpträume bereiten. Die Nervensägen über die ihr mit euren Freunden lästert. Dieser Text ist für euch.

Ihr habt es nicht immer leicht mit uns. Wir demonstrieren, rebellieren, nehmen Drogen, sind asozial, geraten in Krisen und Konflikte, fallen hin, stehen auf, versuchen uns selbst zu finden und scheitern daran kläglich. Manchmal weinen wir stundenlang ohne Grund oder schreien alles zusammen, was uns in die Quere kommt und im nächsten Moment ist alles wieder gut. Wir scheinen nichts zu verstehen und sind angeblich nur hormongesteuert. Und ihr? Ihr steht daneben und versucht uns zu bändigen und in eine Form zu pressen, die ihr „normal“ nennt. Ihr verzweifelt an uns und unseren unmöglichen Verhaltensweisen. Aber wann nehmt ihr euch mal wirklich Zeit, um uns zu verstehen? Wann setzt ihr euch mit uns an einen Tisch und redet über unsere Probleme und Bedürfnisse, und nicht über eure? Vielleicht würdet ihr uns besser verstehen, wenn ihr einen Blick in unsere Welt werfen würdet.

Wir sind nicht die Pubertät. Natürlich beeinflusst uns die Pubertät, aber nicht unser ganzes Denken und Handeln wird von ihr bestimmt. Wir sind auch nicht dumm. Wir wissen ganz genau, was wir tun. Auch wenn ihr es nicht glaubt, wir können sogar über den Tellerrand hinausblicken. Eine Eigenschaft, die viele von euch denken zu haben, die jedoch nur wenigen Erwachsenen erhalten bleibt. Wir machen uns Gedanken über Politik und Wirtschaft, Weltfrieden und Welthunger und all die anderen wichtigen Dinge, von denen ihr denkt, wir verstehen sie nicht. Ihr lacht uns dafür aus, weil wir ja noch zu jung sind, um soetwas zu begreifen.

Aber gleichzeitig sollen wir erwachsen sein, auf euch hören, unseren Pflichten nachkommen und reibungslos funktionieren. Wie soll das gehen, wenn wir die Welt doch nicht verstehen? Wir, die verblödeten Kinder, die nur vor ihren Smartphones sitzen? Wie viel man mit dem Internet bewirken kann, wissen die meisten von euch jedoch gar nicht. Stattdessen macht es euch Angst, also verflucht ihr es.

Bitte hört auf uns unter Druck zu setzen. Irgendwann werden wir erwachsen sein. Wir werden alles kindliche ablegen und wie Roboter funktionieren. Wir werden unsere Kinder dafür bestrafen, dass sie so sind, wie sie sind. Nicht normal. Wir sagen, wir wollen alles anders machen, aber wir werden so werden wie ihr.

Liebe Eltern, bitte vergesst nie, dass wir euch lieben, egal wie anstrengend wir gerade sind. Es ist auch für uns nicht leicht unseren Platz in dieser Welt zu finden. Aber bitte gebt uns deswegen nicht auf. Haltet uns fest, wenn wir es brauchen und lasst uns unseren Freiraum, wenn wir entdecken. Zeigt uns den richtigen Weg, aber zwingt ihn uns nicht auf.

Bitte lasst uns einfach so sein, wie wir sind.

In Liebe, eure Kinder

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