Ja, richtig gelesen: Glücklich sein ist eine Entscheidung. Wahrscheinlich verdrehst du bei dem Satz genervt die Augen und denkst das kommt von jemandem, dessen größtes Problem ist, dass er vergessen hat den Müll rauszubringen. Aber keine Sorge, du darfst deine finanziellen Probleme, deinen Frust bei der Partnersuche, deine Krankheiten und den Stress mit deiner Familie behalten.

Es geht nämlich nicht darum, ob jemand Probleme hat und wie groß diese sind, sondern lediglich darum, wie man damit umgeht. Genauer gesagt: Welchen Blickwinkel man einnimmt. Probleme haben wir nämlich alle. Und manche davon können arg niederschmetternd sein. Sie kleinzureden macht keinen Sinn. Im Gegenteil, es wäre toxisch positiv. Dass wir trauern, wenn jemand verstorben ist oder weil wir vom Partner verlassen wurden, ist völlig normal und sogar wichtig, um die Situation irgendwann loslassen zu können.

In diesem Beitrag geht es vielmehr um den alltäglichen Frust. Es ist nämlich so, dass wir Menschen von Natur aus negativ denken. Das war vor langer Zeit einmal wichtig, um uns vor Gefahren zu schützen. Wer auf alles gefasst ist, kann besser auf Gefahren reagieren. Blöd nur, dass dieser Fokus auf Gefahr uns heute meist nicht mehr nützt. Vor allem, wenn man bedenkt, dass viele Dinge, die das Gehirn als Gefahr einstuft eigentlich gar keine sind. Trotzdem fokussieren wir uns automatisch auf das Negative. Ein Schutzmechanismus, der uns das Leben eher schwer als einfach macht.

Nun klingt “Glücklich sein ist eine Entscheidung” so als wäre das ganz einfach – ich denke einfach “Jetzt bin ich glücklich” und denke nicht mehr negativ. So einfach ist es nicht. Es ist eine Entscheidung, die immer wieder – im Zweifelsfall mehrmals am Tag – gefällt werden muss. Und es ist auch nicht damit getan, diesen Gedanken zu denken, sondern du musst auch danach handeln. Dazu gibt es drei große Hilfsmittel, mit denen du sofort mehr Glück fühlen kannst:

Fokus

Du versetzt sich gedanklich in eine Zeit zurück, in der du sehr glücklich warst. Konkret: Wann warst du das letzte Mal außer dir vor Freude? Was war der Grund? Wo in deinem Körper hast du das Gefühl am meisten gespürt? Welche Gedanken gingen dir in diesem Moment durch den Kopf? Was fühlst du, wenn du heute daran zurückdenkst?
Du kannst dich auch in eine Zeit in der Zukunft versetzen, auf die du dich sehr freust. Wie wirst du dich (wahrscheinlich) in diesem Moment fühlen? Was wirst du tun? Wo und mit wem? Bist du voller Vorfreude, wenn du daran denkst?

Achtsamkeit

ist ein wundervolles Mittel, was im Endeffekt viel mit Fokus zu tun hat, da du genau den ja auf bestimmte Dinge in dir selbst oder im Außen richtest. Achtsamkeitsübungen gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Da ist wirklich für jeden etwas dabei. Meine liebste Übung ist die 5-4-3-2-1-Übung. Finde 5 Dinge, die du sehen kannst, 4 Dinge, die du fühlen kannst, 3 Dinge, die du hören kannst, 2 Dinge, die du riechen kannst und 1 Sache, die du schmecken kannst. Danach sollte der Kopf wieder frei genug sein, um ihn mit positiven Gedanken zu füllen. Aus der Achtsamkeit kann übrigens ein Bewusstsein für die kleinen Dinge enstehen, für die wir dankbar sind.

Dankbarkeit

ist der elementarste Baustein, wenn es darum geht, glücklicher im Leben zu werden. Sie hilft sowohl kurz- als auch langfristig und kann in jedem Moment angewandt werden. Denn es gibt immer Dinge, für die wir dankbar sein können. Sei es ein Dach über dem Kopf, fließendes Wasser, Blumen am Wegrand oder das Lächeln eines Kindes. Die Liste könnte endlos weitergeführt werden.
Auch Bewegung, Hobbys, ein Treffen mit lieben Menschen oder unser Lieblingsessen können kurfristig für Glücksgefühle sorgen. Wichtig ist nur, dass man überhaupt irgendetwas macht, wenn es einem nicht gut geht. Und genau da ist für viele Menschen – und vielleicht auch für dich – das nächste Problem:

Wie zur Hölle soll ich die Energie aufbringen?

Negative Gedanken und äußere Umstände können uns das letzte bisschen Kraft rauben, das wir zu haben glauben. Ich find es ist ein bisschen wie mit dem aufräumen. Wenn du schonmal eine Weile das Aufräumen schleifen lassen hast, dann weißt du mit Sicherheit, wie überfordernd es ist, wenn du auf diesen Berg an Zeug schaust. Du fragst dich, wo du anfangen und wie du das alles schaffen sollst. Dieser Berg an Zeug symbolisiert deinen Weg zu deinem persönlichen Glück. Du könntest jetzt einfach aufgeben oder du nimmst dir eine einzige Aufgabe vor. Eine Aufgabe klingt in der Regel noch ziemlich machbar und danach fällt einem auf, dass man noch eine weitere Aufgabe machen kann. Dann noch eine. Und noch eine. Und – schwups – ist das Zimmer ordentlich. Step für Step.

Du musst nicht von jetzt auf gleich Achtsamkeit, Bewegung, Dankbarkeit, neue Hobbies und was sonst noch alles in dein Leben integrieren. Mach einfach das, was sich machbar anfühlt. Oft merkt man dabei erst, dass sich doch noch eine Menge Energie in einem befindet, die nur darauf wartet entfesselt zu werden.

So ist es mir gelungen, meine Depression besser in den Griff zu bekommen. Zum Vergleich: Im Januar 2021 lag ich nur im Bett und habe viel geweint. Den Haushalt habe ich schleifen gelassen und bin eigentlich nur aufgestanden, um auf Toilette zu gehen. Im Januar 2022 bin ich voller Lebensfreude durch die Wohnung gehüpft. Ich hatte Routinen, habe neue Hobbies gefunden und war eine viel positivere Person als im Jahr zuvor.

Die Entscheidung zu treffen glücklich zu sein, erfordert allerdings ein hohes Maß an Eigenverantwortung. Es ist viel einfacher unglücklich zu sein, weil man dafür nichts tun muss. Außerdem muss man sich eingestehen, dass niemand kommt, um einen zu retten. Es liegt an einem selbst. Diese Einsicht ist hart, aber notwendig, wenn man sein Leben wirklich verändern will. Niemand kommt. Nicht der Partner, nicht die Oma, nicht der Hund, nicht der beste Freund. Ich selbst habe mich dadurch schon einige Male sehr einsam gefühlt, weil ein Teil in mir eben doch gehofft hat, gerettet und glücklich gemacht zu werden. Aber vielleicht hilft dir, wie mir, die Erkenntnis, dass man trotzdem um Hilfe bitten darf. Andere Menschen können dich motivieren oder den Weg mit dir gemeinsam gehen. Sie können ihn dir nur nicht abnehmen. Sie sind für sich selbst verantwortlich, so wie du für dich.

Abschließend kann man sagen, dass glücklich zu sein keine leichte Entscheidung ist. Es bedeutet, sich selbst immer wieder aus seiner Negativität rauszuboxen – komme was wolle. Die Entscheidung muss immer und immer wieder getroffen werden und nicht jedes Mal wird man wirklich bereit sein, sich selbst zu helfen. Aber es geht hier nicht um Perfektion, sondern um Fortschritt. Sage dir nicht “Von jetzt an bin ich glücklich”, sondern vielleicht “Ich werde jeden Tag ein bisschen glücklicher”. Und denke daran: Wenn Glück eine Entscheidung ist, ist Leid es auch. Du entscheidest. Jeden Tag.

Ich wünsche dir ganz viel Erfolg auf deiner Reise zu deinem persönlichen Glück. So wie du es machst, machst du es genau richtig.

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